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Transplantation und Graft-versus-Host-Reaktion

In gewissem Maße tritt bei jeder allogenen Knochenmarktransplantation (Hematopoietic Cell Transplantation, HCT) eine Transplantat-Wirt-Reaktion (GvHR, auch Graft-versus-Host-Disease, GvHD) auf. Während es sich bei der GvHR um eine unerwünschte Reaktion der Spenderlymphozyten auf den Wirtsorganismus handelt, ist die gegen maligne Zellen gerichtete Reaktion, auch „Graft-versus-Leukemia“ (GvL) genannt, durchaus erwünscht. Diese, in den meisten Fällen unmerklich oder sehr schwach verlaufende GvHD, verursacht nur sehr eingeschränkte Zellschädigungen und Symptome beim Patienten.

Häufig treten gleichzeitig zu einer hämatopoetischen Zelltransplantation (HCT) Infektionen und sogenannte „regimen-related toxicity“ der Haut, Leber und dem Gastrointestinalbereich auf. Es ist daher häufig sehr schwierig eine GvHD von anderen Komplikationen zu unterscheiden. Ein noch größeres klinisches Problem ist es die Art der GvHD-Aktivität zu bestimmen. Bei GvHD kann es sich um einen Prozess handeln, der eine immunsuppressive Behandlung erfordert, es kann sich jedoch auch um das Resultat einer GvHD-Schädigung handeln. In diesem Fall ist eine Gewebebehandlung, nicht jedoch eine Immunsuppression, angezeigt.

In einer retrospektiven Studien konnten Luft et al. zeigen, dass ein Kaspase-gespaltenes Keratin 18-Fragment (ccK18 oder K18F), welches im Plasma nachweisbar ist, einen sensitiven und quantitativ anwendbaren Biomarker für die GvHD ausgelöste Apoptose in Epithelzellen des Intestinaltraktes und in Leberzellen darstellt. Die enge Kopplung dieses Biomarkers mit Apoptose ermöglicht eine einfache Klassifizierung der Ursachen bei abnormalen Funktionen von Leber und Intestinalbereich nach einer HCT. Die vorgeschlagene Verwendung von ccK18/M30 Assays (M30 Apoptosense ELISA) als eine Bestimmungsmethode für GvHD erfordert weitere Belege aus prospektiven Studien.

In der Zukunft müssen Blindtests in größeren Patientengruppen durchgeführt werden, die die hohe Sensitivität dieser Methode für die Diagnose von GvHD, wie bei Luft et al. beschrieben, bestätigen. Weiterhin muss bestimmt werden in welchem Ausmaß Komplikationen nach HCT zu Apoptose führen und es müssen Parameter identifiziert werden, die eine optimale Sensitivität und Spezifität bei der GvHD Diagnose möglich machen.

Referenzen:
»   T. Luft et al., Serum cytokeratin-18 fragments as quantitative markers of epithelial apoptosis in liver and intestinal graft-versus-host disease, Blood 110: 4535-4542, 2007
»  

PJ. Martin, Cell biology comes to the bedside, Blood 110: 4135, 2007 (Editorial)

Sepsis

Die klinischen Symptome bei einer Sepsis beinhalten eine heterogene Gruppe von klinischen Störungen. Diese variieren bezüglich der Lokalisation, Bakteriologie, des Vorhandenseins von Infektionen und der klinischen Symptome, die der Patient entwickelt.

Von der biologischen Perspektive stellt die Sepsis möglicherweise die größte Herausforderung im Bezug auf die Behandlung der immanenten Immunantwort dar, da die Abschwächung der inflammatorischen Antwort die adaptive anti-mikrobielle Reaktion, welche die Bekämpfung der Infektion unterstützt, abschwächt.

Jüngste Untersuchungen schätzen die Anzahl der schweren Sepsis (Sepsis verbunden mit akuten Organstörungen) und des septischen Schocks (Sepsis verbunden mit kardiovaskulären Störungen) auf 300.000 bzw. 750.000 Fälle pro Jahr. Sepsis verursacht 200.000 Todesfälle pro Jahr, genauso viele wie akute Herzinfarkte und ist somit eine der 10 häufigsten Todesursachen in Industrieländern.

Schlüsselpunkte für zukünftig anwendbare klinische Biomarker in der Epidemiologie von Sepsis und systemischen Inflammationen:

  • Welche individuellen Biomarker oder Gruppen von Biomarkern erlauben eine Vorhersage über den Misserfolg (oder Erfolg) einer frühen Intervention nach Auftritt des Biomarkers und somit auch eine Vorhersage bezüglich des Risikos eines Organversagens bzw. ultimativ der Mortalität?
  • Welche klinischen, früh auftretenden Variablen sind in der Lage spezifisch die einzelnen für Sepsis charakteristischen Komplikationen wie nosokomiale Infektionen, kardiovaskuläre Dysfunktionen, akutes Lungenversagen (Acute Respiratory Distress Syndrome, ARDS) und akutes Nierenversagen vorherzusagen?

In einer Studie bei der eine Traumapatientengruppe mit einer gesunden Kontrollgruppe verglichen wurde konnten Roth et al. zeigen, dass erhöhte Serum-Werte des K18-Neoepitops in Patienten mit Sepsis auf eine erhöhte Apoptoserate in epithelialen Zellen hinweisen. Interessanterweise zeigten die nicht-überlebenden Traumapatienten signifikant höhere M30-Werte im Vergleich zu den Traumapatienten, die überlebten und der gesunden Kontrollgruppe. Es bleibt abzuwarten ob die Detektion von K18-Neoepitop mit dem M30 Apoptosense ELISA im Serum ein hilfreicher Marker für die Erkennung von apoptotischem Epithelgewebe in Sepsis Patienten darstellt.

Referenzen:
»  
» Hofer et al., Cell death serum biomarkers are early predictors for survival in severe septic patients with hepatic dysfunction. Critical Care 2009, 13:R93.